Stupps, der Schutzengel

Von Rudolf Pardeyke aus Waltrop

Isabelle, die zu Besuch bei Ihren Großeltern in der Kleinstadt weilte, war gar nicht glücklich über das schlechte Wetter. Immer nur Regen, Regen, der peitschte und platschte und auf die Stimmung drückte. Was sollte sie nur machen? Oma war arbeiten und Opa einmal kurz einkaufen. ?Ach, ich geh mal in den Keller, wo Opa immer so sonderbare Dinge aufbewahrt.? Ein wenig unheimlich war es ihr schon, so alleine nach unten zu schleichen. ?Alles Unsinn?, sagt sie zu sich, ?ich bin doch cool und bald neun Jahre alt. Meine beiden älteren Brüder sollen mich doch nicht auslachen! Soll ich vielleicht die Türe nicht so weit aufmachen? Sie knarrt und schnarrt wie eine alte Hexe. Hui! Aber nein, es muß sein, ich will einfach. Basta.? Ihr Blick fällt auf einen kleinen hölzernen Engel mit goldenen Flügeln, der im Arm eine Posaune hält. Man möchte bald ?Halleluja? ausrufen!

?Das Gesicht des Engels sieht jedoch gar nicht himmlisch aus?, meint Isabelle. ?Vielleicht liegt das am Regen. Ich denke, im Himmel gibt es keinen Regen. Aber man weiß ja nie, bei diesem Schlingel, bei diesem Petrus. Na, warte!?

Isabelle hat etwas Angst und schaut den Engel mit großen Augen an.

Dieser blinzelt zu ihr verschmitzt hinüber, nickt mit dem Kopf und sagt: ?Hallo, Isa, ich bin Dein Schutzengel. Wie Du siehst, bin ich verletzt.
Eine Sternschnuppe, die mich zu Dir bringen sollte, hat zu hart aufgesetzt und mir den Arm angerissen. In meiner Not habe ich mich an Deinen Großvater gewandt. Du weißt, der hat ja so viel Werkzeug in seinem Arbeitskeller. Er nahm mir den Arm ganz behutsam ab und will mich gesund machen.?

?Reparieren?, sagt Isa, ?geht das denn so?? ?Ja, mit Hilfe vom lieben Gott?, seufzt der Engel. ?Aber Dein Opa ist schon ein bißchen alt und nicht mehr so schnell.? ?Ich werde mit ihm reden?, antwortet Isa. ?Für mich vollbringt er sogar Wunder.
Aber sag mal, lieber Engel, wie heißt Du und wie ist das mit dem Himmel? Sind die Menschen dort glücklich und friedlich und wie leben sie dort mit Gott. Lohnt sich ein Himmel??
?Ja, liebe Isa, ich glaube, ein Himmel lohnt sich für gute Menschen, die hier auf dieser Erde arm und unglücklich waren. Sie müssen noch nicht einmal richtig fromm gewesen sein. Gott hat sie nicht im Stich gelassen und sie einfach zu sich geholt!

Und jetzt zu mir: Ich heiße Stupps, weil ich überall meine Nase hineinstecke. Manchmal ist das gut, manchmal geht auch was daneben. Nenn mich einfach Stuppi, das habe ich lieber. Ansonsten paß ich immer schön auf Dich auf.
Wenn Du traurig bist, ruf Stuppi, und ich gebe Dir frischen Mut und Fröhlichkeit. Das tut gut und wischt den Ärger weg. Du kennst ja Deine wilden Brüder?, flüstert der Engel im Unterton.

?Halb so schlimm?, meint Isa und läßt ihre zarten Finger wie auf einem Klavier tanzen. ?Mit denen werde ich schon fertig!
Ich möchte Dir danken und einen Vorschlag machen. Aber bitte nicht weitersagen. Pst! Ich flüstere Dir etwas ins himmlische Ohr.
Ich lege jetzt eine kleine Decke mit gestickten Sternchen neben mein Bett. Wenn ich traurig bin, ruf ich einfach ?Stuppi?, und Du kommst zu mir und erzählst mir eine schöne Geschichte.
Hoffentlich kommt unser Hund nicht dazwischen und knabbert an der Decke.?
?Klasse, liebe Isa, das will ich gerne für Dich tun. Ich freue mich schon darauf, Dir etwas Neues aus der weiten Welt zu erzählen. Möglichst von guten Menschen, vom Frieden, ohne Krieg und Elend. Aber erst muß ich gesund werden, Dein Opa wird es wohl richten. Ich muß ihn nur noch flott machen!
Ich habe da einige himmlische Tabletten vom alten Petrus bekommen. Darin ist ein wenig Likörgeschmack. Die werden ihm wohl schmecken!
Aber jetzt muß ich leider meine Flügel wieder schwingen. Petrus achtet nämlich auf Pünktlichkeit.
Sonst bekomme ich noch aufgewärmte Wolkengraupelsuppe.

Also, leb wohl, liebe Isa, auf jeden Fall bis zum Weihnachtsfest. Dann habe ich für Dich wieder eine ?frohe Botschaft?.
Mein Erzengel ist zurzeit damit beschäftigt, einen guten Text zu finden. Leider haben wir im Himmel auch unsere Sorgen und Nachwuchsmangel.
Du weißt ja, die Menschen werden immer älter.-
So, jetzt muß ich mich aber wirklich beeilen, sonst kommt ein ?Donnerwetter? vom alten Petrus auf mich herab, und ich muß nachsitzen!
Tschüs, liebe Isa, bis zum nächsten Mal. Ich freue mich schon darauf, Dich wiederzusehen.?





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