"Herr Orm" ist Graffiti-Künstler

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Recklinghäuser erzählt über seine Arbeit

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FotoSkateboards bearbeitet Herr Orm besonders gern.
FotoEine Skizze von Herrn Orm.
FotoHier hat Herr Orm auf einer Leinwand gearbeitet.
FotoHier hat Herr Orm einen Schuh in Szene gesetzt.

"Zeit totschlagen" hat Herr Orm dieses Graffito betitelt.

Die weiteren Fotos sind beim Sommerferien-Workshop "Graffiti" des Union-Sozialwerkes 2010 entstanden. Auch 2011 soll wieder ein Graffit-Workshop angeboten werden.
Fotos: Heidi Hoffmann-Budde
Die Fotos sollen euch das Thema Graffiti näherbringen. Herr Orm war nicht beim Workshop dabei.



Kurzportrait:
Name: Herr Orm.
Geburtsort: Dortmund
Wohnort: Recklinghausen
Alter: 30
Beruf: ich bin selbstständig als kreativer Dienstleister, im computer- sowie handwerklichem Bereich.
Hobbies: Malen, Fotos machen

?Wie kam es zu dem Künstlernamen?
Am Anfang habe ich mich nur Orm genannt, der Herr kam irgendwann dazu. Hatte auch überlegt, Mr. oder Monsieur zu nehmen, aber da wir in Deutschland leben, war Herr naheliegender.
?Wann ging es mit dem Sprayen los? Gab es einen besonderen Anlass/Ereignis?
Ich fande Graffiti malen schon immer cool und habe es dann ausprobiert. Gerade Dortmund hatte viele tolle bunte Bilder zu der Zeit, die einen täglich inspiriert haben.
?Auf und mit welchen Materialien arbeitest du?
Am liebsten auf gefundenen und abgewrackten Untergründen. Alte Schaltpläne, kaputte Skateboards, Sperrmüllbretter. Neue Leinwände sind so charakterlos, die muss man erstmal hart ran nehmen, damit sie was ausdrücken.
?Es gab da auch eine Serie mit verfremdeten Schuhen?
Ja, das war mein ?erfolgreichstes? Projekt bis jetzt, ich kann aus Schuhen kleine Figuren machen, die dann alle vorstellbaren Situationen erleben.
?Deine Graffiti zeigen oft Tiere und Monster. Sind das Symbole ?
Naja, ich würde diese Charakter dann als graffiti-typisch bezeichnen. Symbole sind es nicht wirklich, höchstens für ?gute Laune?!
?Warum ist gute Vorbereitung (Entwürfe im Blackbook) wichtig?
Am Anfang steht die Idee, die irgendwo festgehalten werden muß. Wenn man dann eine Leinwand/Wand/Grafik machen will, kann man die passende Skizze aussuchen. Ohne das Skizzenbuch ist man oft aufgeschmissen und Zeichnen ist der Schlüssel zu allem, was ich tue.
?Arbeitest du mit Schablonen (stencil)?
Nein. Dafür habe ich keine Geduld, diese herzustellen.
?Du malst gern auf alten Skateboards. Bist du Skateboarder?
Früher hatte ich mit der Skateboardszene zu tun, daher auch der Hang dazu, Skateboards zu bemalen und freundschaftliche Beziehungen zum Skateboardshop ?Gebäude Sieben? ,Herrenstr. 7 in RE-City. Da habe ich derzeit ein paar Bilder ausgestellt, ohne zeitliche Einschränkung. Und aus beruflichen Gründen auch das Logo für das Gebäude Sieben entworfen.
?Wo finden Anfänger Gleichgesinnte, ein Netzwerk, gibt es Anlaufstellen/Kurse etc. im Kreis RE?
Gleichgesinnte trifft man im Internet, Anlaufstellen wie einen ?Writers Corner? gibt es heutzutage nicht mehr. Im Kreis RE sowieso nicht, da es sich um eine Mini-Szene handelt, soweit ich weiß. Es gibt in Recklinghausen nicht mal eine legale, städtische Graffiti Wand mit ordentlicher Größe. Das finde ich schon sehr schade. Gerade wenn man solche tollen Beispiele für eine Hall of Fame ,wie die der Stadt Marl, direkt vor der Nase hat. Da kann man sich eine Genehmigung geben lassen und damit direkt am Rathaus Parkplatz malen.
?Bleiben Graffiti-Künstler meist unerkannt, weil sie ungenehmigt auf öffentlichen Flächen, z.B. Müllcontainer, Bushaltestellen, sprühen?
Es ist oft mit Nachteilen verbunden, sich als Sprayer zu outen. Das größte Vorurteil ist, dass man genau derjenige ist, der Müllcontainer und Bushaltestellen besprüht. Eigentlich ist man dann sofort verurteilt.
Ob das dann auch Graffiti-Künstler sind, die Haltestellen anmalen, weiß ich nicht. Ist Graffiti Kunst? Falls ja, ab wann? Sobald man mehr als eine Farbe benutzt? Ich tue mich da mit Definitionen schwer.
?Das kann Geldstrafen kosten. Macht verbotenes Tun den Reiz aus?
Als legaler Maler kann ich dazu nur mutmaßen. Ich denke, es ist zum Teil der Reiz, zum Teil die Gleichgültigkeit und zum Teil Faulheit, sich um legale Flächen zu kümmern. Andererseits geht jeder sowieso davon aus, nicht erwischt zu werden, daher schreckt die Geldstrafe nicht ab.
?Du bist Streetart-Künstler. Wie grenzt du Streetart (Straßenkunst) von Verschandelung/Vandalismus ab? Beispiel: Ultra-Fußballfans markieren bei Auswärtsspielen mit fantasielosen Schriftzügen ihre Anwesenheit und Zuhause ihren Revieranspruch.
Dazu müsste ich jetzt Graffiti erstmal mit allen Facetten beschreiben, deshalb müsstet ihr dann noch eine Zeitungsseite mehr drucken. Das fängt für mich bei der Höhlenmalerei an. Kurz gesagt ist Fußballgraffiti ähnlich dem Gang Graffiti in den USA. Dabei ist der Anspruch nicht auf Schönheit gerichtet, sondern auf Plakativität.
Verschandelung ist für mich in erster Linie großflächige Werbung, wie bei Linienbussen, bei denen man keine Tür mehr sieht und diese neumodernen Banner an Baugerüsten, die das ganze Gebäude verstecken. Sogenannte ?Beachflags? vor den Telefonläden und Kundenstopper in der Fußgängerzone. Man stelle sich einfach mal eine Welt vor, bei der jede Werbung durch eine Malerei ersetzt wurde, egal welcher Qualität. Also mir würde diese Welt besser gefallen. Wäre schön, wenn sich das jeder beim nächsten Einkaufsbummel mal vornimmt.
?Wie wichtig sind dir Ästhetik (Schönheitssinn) und Botschaften (Inhalte) bei deinen Graffiti?
Für mich ist es Ästhetik sehr wichtig, oft verbessere ich Bilder noch 10 mal, bevor sie wirklich fertig sind. Botschaften sind meistens versteckt, oft nur durch den Titel erkennbar. Wer nur eine bunte, lustige Figur sieht, hat sich nicht genug Zeit genommen. Ich mache ja auch keine Werbespots fürs Fernsehen, bei denen in 20 Sekunden alles erledigt sein muss.
?Welches sind deine bisher größeren Aktionen?
Ich habe z.B. schon im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl 2009 und in der Kunsthalle 2010 ausgestellt. Eine komplette Ausstellungsliste gibt es auf meinem Blog. Ich war auch schon öfter im Ausland. Und der Fernsehkoch Martin Baudrexel sowie der Chef von Lacoste haben Bilder von mir bei sich zu Hause.
Aber ganz unspektakuläre Ausstellungen mit Freunden machen auch Spaß, es muß nicht immer das Besondere sein. Der Spaß ist entscheidend. So wie letztes Jahr beim Projekt Abrissbagger. In Zusammenarbeit mit der Altstadtschmiede und REspect4You verwandelten 20 Künstler/innen ein Abriss-Haus, die Arbeiten waren nur einen Tag, am 7.11. 2010 zu sehen. Wir hatten viel Zuspruch und eine Menge Besucher.
?Du würdest solch eine genehmigte Aktion gern in einem größeren Haus wiederholen?
Auf jeden Fall. Gerade weil es auch hier so viele Leerstände gibt, bietet sich das an. Der Saalbau wäre toll, gerade weil er 2011 auf jeden Fall noch stehen bleibt und schön zental liegt.
?Wo kann man 2011 weitere Arbeiten von dir sehen?
Meine erste Ausstellung ist schon vorbei, die war in der K-Gallery in Bochum. Geplant ist im Foyer der Altstadtschmiede RE auszustellen und gegen Ende des Jahres in Berlin. Weiterhin ist bis jetzt nichts geplant, aber so was entwickelt sich meistens spontan innerhalb von 4 Wochen.
Vielen Dank für das Interesse! Hier noch ein paar Internetseiten:
http://abrissbagger.tumblr.com/ /> http://herrorm.blogspot.com/ /> http://www.gebaeudesieben.de/ /> http://www.altstadtschmiede.de/

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