Wie Pippi erfunden wurde

Tochter Karin von Astrid Lindgren lag krank im Bett

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Astrid Lindgren hat Pippi Langstrumpf vor 70 Jahren erfunden ? oder genauer gesagt: ihre damals siebenjährige Tochter Karin. Die lag nämlich mit einer schweren Lungenentzündung im Bett und bat die Mutter: ?Erzähl mir was von Pippi Langstrumpf!? Den Namen hatte sie in dem Moment erfunden. Und so verrückt wie dieser Name war, so verrückt waren auch die Geschichten.
Von da an gab es jeden Tag neue Geschichten von der frechen Göre mit den Superkräften und der enormen Phantasie. Bald hörten auch die Freundinnen und Freunde von Karin mit Begeisterung zu. Und als Astrid Lindgren drei Jahre später selbst einige Wochen lang ans Bett gefesselt war, schrieb sie die Geschichten von Pippi auf ? als Geschenk zum zehnten Geburtstag von Karin.
Dass dann irgendwann ein richtiges Buch daraus wurde ? inzwischen sind die Pippi-Langstrumpf-Geschichten in mehr als 50 Sprachen übersetzt -, grenzt fast an ein Wunder, denn anfangs waren viele Erwachsene gar nicht begeistert. Diese Pippi mit der Stärke einer Riesin, die tun darf, was sie will, wäre doch ein gar zu schlechtes Beispiel.
?Kein normales Kind?, schrieb zum Beispiel der ziemlich berühmte Professor John Landquist in der noch berühmteren Zeitung Aftonbladet, ?isst eine ganze Sahnetorte auf oder geht barfuss auf Zucker. Beides erinnert an die Phantasie eines Irren.? Astrid Lindgren sei ?ohne Talent und unkultiviert?, meinte er, und Pippi unnormal und krankhaft. Ihm erscheine das Buch wie ?etwas Unangenehmes, das an der Seele kratzt?.
Wie sehr so ein Professor sich doch irren kann! Als Astrid Lindgren 30 Jahre später den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, den noch keine Kinderbuchautorin zuvor erhalten hatte, geschah das, weil ihre Bücher ?keine Abkehr von der Wirklichkeit, keine Verführung zur Flucht in Träume sind. Astrid Lindgren führt in eine Welt, in der wir lachen und weinen, träumen, aber auch leben können. Ihre Bücher vermitteln Leben und Wärme, bezaubern und verzaubern. Sie erziehen behutsam, aber nachdrücklich zu Toleranz und Verantwortung, den unabdingbaren Voraussetzungen des Friedens.?
Als besonders schwierig hat Astrid Lindgren Fragen empfunden wie ?Was wollen Sie mit ihren Büchern aussagen? Pippi Langstrumpf ? welches Problem wollten Sie damit aufgreifen? Wie weit wirken sich Kinderbücher erzieherisch aus? Wie hat ein gutes Kinderbuch zu sein?? Dazu schrieb die Autorin: ?Darauf möchte ich nur antworten, ich habe mir nicht das Geringste dabei gedacht. Weder bei Pippi noch bei irgendeinem anderen Buch. Ich schreibe, um das Kind in mir selbst zu unterhalten, und ich kann dabei nur hoffen, auch anderen Kindern damit ein wenig Spaß zu verschaffen.?

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